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SUMMARY:Jüdische Indienreisende als Beobachter der Kastengesellschaft
DESCRIPTION:im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische S
 tudien \nVon Europa aus betrachtet\, waren die Juden von Cochin (heute Ko
 chi) in Südindien ein ferner Außenposten der Diaspora\, doch zeigen sich
  mittelalterliche jüdische Händler aus Nordafrika und Spendensammler der
  Kolonialzeit über ihre Lebensverhältnisse erstaunlich gut informiert. S
 eit dem 16. Jahrhundert beschäftigten sich jüdische Reiseberichte insbes
 ondere mit der scharfen Trennung zwischen zwei endogamen indisch-jüdische
 n Gruppen. Seit dem portugiesischen Bericht\, den Mosseh Pereyra da Silva 
 der Amsterdamer sefardischen Gemeinde von seiner Reise 1686 erstattete\, b
 ürgerte sich die Rede von den “schwarzen” und “weißen” Juden Coc
 hins ein. Spätere Besucher forschten nach den Ursprüngen dieser beiden G
 emeinden\, sammelten historische Dokumente darüber oder schrieben diese k
 urzerhand selbst\, wie es der niederländische Konvertit Immanuel Jacob va
 n Dort auf seiner Indienreise 1755-1756 tat. Der Jerusalemer Reisende Davi
 d de-Beit Hillel drückte nach seinem Besuch im Jahr 1828 schon die modern
 e Entrüstung über die Diskriminierung unter Juden aus. Ein weiterer Emis
 sär\, Jacob Saphir\, erreichte Cochin 1860 auf dem Weg nach Australien un
 d hinterließ eine hebräische Reiseerzählung von ausgezeichneter ethnogr
 aphischer Beobachtungsgabe. Der sozialen Verbesserung der “schwarzen” 
 Juden verschrieben sich auch Ascher Levi\, der 1882 im Land weilte\, sowie
  der rumänischstämmige Rabbiner Chaim Jakob ha-Kohen Feinstein in seinem
  „Maschbit Milchamot“ von 1889. Erst der amerikanische Ethnologe David
  Mandelbaum\, der seit 1937 in Indien forschte\, bemühte sich um eine Deu
 tung der innerjüdischen Hierarchie als genuine Widerspiegelung des indisc
 hen Kastenwesens. Shifra Strizower machte diese These in ihrem Aufsatz “
 Jews as an Indian Caste” (1959) bekannt. Im Überblick über vier Jahrhu
 nderte fruchtbarer jüdischer Reiseschriftstellerei aus Indien drängt sic
 h der Eindruck auf\, dass die Autoren in jenen exotischen Juden ein Spiege
 l- und Gegenbild ihrer eigenen Ideale von sozialer Gleichstellung erkannte
 n. \\n\\nProf. Dr. Carsten Wilke (*1962 in Köln) ist Religionswissenschaf
 tler\, Historiker und Judaist. Er studierte Judaistik\, Romanistik und Phi
 losophie in Köln und Jerusalem sowie Religionswissenschaften in Paris. 19
 94 promovierte er mit einer Arbeit über jüdisch-christliches Doppelleben
  im Barock. Danach war er an mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen in 
 Deutschland\, Frankreich\, Portugal\, Mexiko und den USA tätig\, darunter
  an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und der Heinrich-Hein
 e-Universität Düsseldorf. Seit 2009 lehrt er als Associate Professor of 
 Jewish Culture and Thought an der Central European University ► in Wien.
  Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte und Kultur des europäischen J
 udentums vom Mittelalter bis zur Moderne.
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