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SUMMARY:Cyprien Gaillard – When you expect flutes\, it's whistles
DESCRIPTION:Cyprien Gaillard bewegt sich in seinen Arbeiten durch Städte u
 nd deren Randgebiete. Entropie ist sein Gestaltungsmittel: Erosion und Abl
 agerungen versteht er als Spuren – nicht einfach als Zeichen von Verlust
  und Verfall. Seine Werke lehnen Resilienz als Deutungsrahmen ab. Vielmehr
  zeigen sie das Leben an unwirtlichen Orten als etwas\, das einfach fortbe
 steht – unkommentiert und wertungsfrei. Im Kunsthaus Bregenz montiert Ga
 illard hinter der Außenfassade eine Baurutsche\, durch die bereits mehrfa
 ch die Reste von Abrissbauten abtransportiert wurden. Diese Schuttrutsche 
 aus orangefarbenen Röhren\, die an Ketten hängend ineinandergeschoben si
 nd\, steht für Entsorgung\, Dekonstruktion\, Zerstörung und einen nicht 
 enden wollenden Umbau.\nIm Erdgeschoss begrüßt uns mit Visitant\, 2021
 –2026\, eine gewaltige\, aufblasbare Skulptur\, eine Art flüchtiger Gas
 t\, ein Gespenst mit fahrigen Gesten ohne feste Gestalt. Solche Figuren ke
 nnt man von Festivals\, Sportplätzen oder Autohäusern. Im Kunsthaus Breg
 enz tanzt sie zu einer vom Künstler programmierten Choreografie. Die Musi
 k dazu kommt aus dem für die Berliner Underground-Musikszene prägenden K
 ILLASAN Soundsystem\, das ursprünglich in den 90er Jahren für einen Club
  in Osaka gebaut wurde. Gaillard löst das übergroße Wesen aus seinem ge
 wohnten Zusammenhang und versetzt es in das Foyer des Kunsthaus Bregenz 
 – einen Ort\, der mit seiner asketischen Gestaltung für eine kontemplat
 ive Auseinandersetzung mit Kunst steht\, die hier durch die Präsenz des V
 isitant gebrochen wird. \nDie hohle Figur ist in Bewegung\, bläht sich a
 uf und fällt in sich zusammen\, zu groß\, um sich vollständig aufzurich
 ten: ein bewegliches\, fremdbestimmtes Gebilde\, das nur aus Luft und eine
 r Nylonhülle besteht. Mehrmals die Stunde setzt laute\, durchdringende Mu
 sik ein und erzeugt für kurze Zeit Club-Atmosphäre. Der Visitant imponie
 rt gleichermaßen durch seine Größe und seine überraschend sanften Bewe
 gungen.\nEin durchgängiges Motiv der Ausstellung sind „Deterrents“ 
 – Mittel zur Abschreckung. Tatsächlich ist der öffentliche Raum häufi
 g durch gezielte Eingriffe gestaltet und kontrolliert. Bänke\, Zäune\, a
 ber auch Licht\, Geräusche oder Musik werden so eingesetzt\, dass sie man
 che Menschen willkommen heißen und andere fernhalten. Besonders jene\, di
 e ohnehin von der Gesellschaft marginalisiert sind\, werden dadurch noch w
 eiter verdrängt. Die Macht wirkt dabei aus dem Verborgenen\, ist vorbeuge
 nd und normativ. Gaillard interessiert sich für die Schnittstellen von An
 ziehung und Abwehr. So wird etwa klassische Musik an öffentlichen Orten n
 icht als kulturelle Aufwertung eingesetzt\, sondern zur Abschreckung und a
 ls Methode\, um zu markieren\, wer hier erwünscht ist und wer nicht. Was 
 im Konzertsaal als Hochkultur gefeiert wird\, kommt hier\, so Gaillard\, a
 ls „sanfte Waffe“ zum Einsatz.\nIm ersten Obergeschoss sind neue Arbei
 ten zu sehen\, die Fotografie\, Collage und Skulptur kombinieren. Sie best
 ehen aus Gruppierungen von jeweils neun Polaroids\, die diamantförmig ang
 eordnet auf einem Stück Karton aufliegen. An der Wand aufgehängt und dur
 ch Metalldraht in Spannung gehalten zwingt sie die Krümmung in eine halb 
 aufrechte Position. Dieses visuelle Archiv\, das Gaillard bis 2011 im inzw
 ischen nicht mehr existierenden Polaroid-Spectra-Format aufgenommen hat\, 
 präsentiert eine kaleidoskopische Ansicht von bekannten und unbekannten O
 rten\, erhaltenen Objekten und natürlichen Strukturen\, die von menschlic
 hem Eingriff geprägt sind. Polaroids lassen sich naturgemäß nicht verä
 ndern\, was ihnen einen dokumentarischen Charakter verleiht. Sorgfältig a
 usgewählt und ohne Glas und Schutz präsentiert\, zeigen diese Fotografie
 n ihre Zerbrechlichkeit. Sie sind sowohl private Beobachtungen als auch ge
 sellschaftliche Zeugnisse öffentlicher Einrichtung und kultureller Identi
 tät. \nIm zweiten Obergeschoss des KUB bezieht sich Cyprien Gaillard auf
  die bekannte deutsche Sage Der Rattenfänger von Hameln. Dort bestückt G
 aillard Querflöten mit Geldscheinen im Wert von null Euro\, die wie Zigar
 ettenpapier oder Ziehröhrchen für den Konsum von Drogen zusammengerollt 
 sind. Es handelt sich um echte\, von der Europäischen Zentralbank ausgege
 bene Null-Euro-Banknoten\, die jedoch keinen tatsächlichen Wert besitzen 
 – darauf abgebildet sind unter anderem die Figur des Rattenfängers und 
 die Stadt Hameln. So verbindet sich das Bild von Musik mit dem von Konsum 
 und Verführung\, Wert und Täuschung\, Rausch und Verdrängung. \nEine w
 eitere Arbeit in diesem Stockwerk führt diesen Gedanken fort: An den Wän
 den wölben sich gefächerte Skulpturen aus Edelstahl. Gaillard hat diese 
 Objekte\, angelehnt an italienische Beschattungsvorrichtungen für Bankoma
 ten\, zusammen mit einem Hersteller von Bankautomatenzubehör entwickelt. 
 Am Boden liegen Farbpatronen und andere Bestandteile aus demolierten Gelda
 utomaten\, die nach dem Aufbrechen an den Produzenten zurückgeschickt wur
 den. Wird ein Automat gewaltsam geöffnet\, färben sie die Scheine blau u
 nd machen sie unbrauchbar. Ähnlich wie die auseinandergenommenen Flöten 
 auf Unterbrechungen der Luftzirkulation verweisen\, können auch die gesto
 hlenen markierten Geldscheine nicht mehr zirkulieren. Es geht um den Momen
 t\, in dem Wert in Wertlosigkeit umschlägt\, und um die verborgene Gewalt
 \, die dabei zutage tritt.\n„Der öffentliche Raum ist kein Ort des Zusa
 mmenlebens mehr\, sondern zunehmend eine Bühne der Ausgrenzung“ \\nCyp
 rien Gaillard\nIm dritten Obergeschoss ist DETERRENT\, 2026\, zu sehen\, e
 ine Neuproduktion\, die Gaillard in Los Angeles sowie in verschiedenen St
 ädten Nordeuropas gedreht hat. Der Film wurde vom Kunsthaus Bregenz gemei
 nsam mit der Mailänder Fondazione Prada produziert und ist in Bregenz zum
  ersten Mal zu sehen. Er beginnt vor einer Filiale der US-amerikanischen L
 adenkette 7-Eleven\, wo laut klassische Musik als Abschreckung gegen Unerw
 ünschte gespielt wird\, bevor er zu Szenen mit übermalten Graffiti\, Dro
 genumschlagplätzen\, Museumsvitrinen\, der schneebedeckten Architektur Sk
 andinaviens sowie dem wiederkehrenden Motiv von Verbotsschildern übergeht
 .\n„Das Projekt richtet den Blick auf die Ränder des städtischen Gefü
 ges\, dort\, wo Kontrolle am deutlichsten sichtbar wird. Entlang der beton
 ierten Kanäle des Los-Angeles-Flusses dienen Wände als Grenzen zwischen 
 bewohnbarem und unbewohnbarem Raum. Auf diesen Oberflächen bildet Graffit
 i – wiederholt überdeckt durch grobe Schichten von Farbe\, die von den 
 Kommunen aufgetragen wurde – eine unbeabsichtigte visuelle Sprache. Jede
 r Akt des Übermalens unterdrückt Ausdruck und erzeugt zugleich neue Form
 en. Auslöschung wird so zu einer Form der Produktion\, bei der das Entfer
 nen selbst als kollektives Fresko Spuren hinterlässt.” \\nCyprien Gail
 lard
LOCATION:Kunsthaus KUB\, Karl-Tizian-Platz\, 6900 Bregenz
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